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Autor: Rudolf Krippner, Juni 1991


Gründung und Geschichte
der Schützengesellschaft "Scharfschützen"

Die im Vereinsarchiv erhaltenen Originalunterlagen geben über die Gründung und Geschichte der "Scharfschützen" ausführliche Auskunft.

Wie aus dem Gründungsprotokoll hervorgeht, hatten bereits am Vorabend, dem 10. Oktober 1890, einige Bürger den Plan gefaßt, im Markt Oberviechtach eine "Zimmerstutzenschützengesellschaft" zu gründen. Die Gründungsversammlung selbst fand am Samstag, dem 11. Oktober, in der Gastwirtschaft des Georg Maier statt. Heute befindet sich in dem Gebäude das Bücher- und Schreibwarengeschäft Forstner. Neun interessierte Männer trafen sich dort zur konstituierenden Sitzung, in deren Verlauf sie eine Verfassung mit vierzehn Paragraphen ausarbeiteten.

Die Aufzeichnungen lassen erkennen, daß es den Gründern vornehmlich um den Unterhaltungseffekt eines geselligen Schießens ging. Gemäß § 1 sollte das Schießen die damals recht abwechslungsarme Winterzeit beleben. Genauso verhielt es sich auch: Bis zum Bau ihrer ersten Schießanlage im Jahre 1928, also beinahe vier Jahrzehnte lang, schossen die "Scharfschützen", wie sie ihren Namen in § 2 festlegten, nur vom Herbst bis zum Frühjahr. Während der warmen Jahreszeit ruhte der Betrieb. Wenngleich sich der junge Verein mit Eifer ans Munitionskaufen machte und seine regelmäßigen Abende abhielt, stand bei ihm das Schießen zunächst im Dienste der Geselligkeit. Er beteiligte sich noch an keinen externen Meisterschaften und war auch nicht in irgendwelchen übergeordneten Verbänden organisiert, obwohl es solche gab. Bereits 1861 war nämlich in Gotha der Deutsche Schützenbund gegründet worden.

Gemäß § 3 bestand der "Ausschus", d. h. die Vorstandschaft, aus dem Schützenmeister, dem Kassier, dem Schriftführer und zwei "Vertrauensmännern". Bei Bedarf konnte noch ein zweiter Schützenmeister gewählt werden. Die §§ 4, 5 und 6 legten fest, daß zur "Meldung behufs Aufnahme" nur Personen mit vollendetem 18. Lebensjahr zugelassen waren, daß eine "Aufnahmsgebühr" von 1 Mark zu entrichten war und daß die Mitglieder den Anordnungen der Vorstandschaftsangehörigen "unbedingt Folge zu leisten" hatten. Bei Vorstandswahlen mußte geheim abgestimmt werden.

Die §§ 7 bis 13 betrafen im wesentlichen den Schießbetrieb. Demnach hatte das allwöchentliche" Vorthelschießen" in einem "von den übrigen Gastlokalitäten" vollständig abgeschlossenen Raum zu erfolgen. An jedem Vereinsabend hatte reihum ein anderes Mitglied drei "Vorthel", also Sachpreise zu stiften, von denen der erste mindestens 2 Mark, der zweite und dritte zusammen 1 Mark wert sein mußten. "Eßwaaren u. Cigarren" waren nicht zugelassen. Für alle Schützen herrschte Anwesenheitspflicht. Jedes Fehlen - aus welchen Gründen auch immer - war unentschuldbar und mit einer Geldbuße von 10 Pfennig belegt. Auch andere Verstöße gegen die Schießregeln oder gegen die Vereinsdisziplin wurden auf diese Weise geahndet.

Im Falle des Vereinsaustritts hatte der Ausscheidende an die Kasse keine Ansprüche mehr. Weil zunächst noch kein Jahresbeitrag erhoben wurde, lebte die Kasse lediglich von der Aufnahmegebühr, den Schießeinlagen und diesen Strafgeldern. Als Verantwortlicher für die Scheibenbedienung und Trefferanzeige fungierte ein unparteiischer "Zieler".

Der abschließende § 14 bezog sich auf die Vereinsauflösung, die dann eintrete, wenn nur mehr vier Mitglieder vorhanden seien. Diese vierzehn "Statuten" wurden in späterer Zeit ergänzt bzw. verändert.
Letzter Tagesordnungspunkt war die Wahl der ersten Vorstandschaft. Die Versammlung übertrug die Führung dem Sekretariatsgehilfen Anton Eckmann als erstem in der Schützenmeisterreihe der "Scharfschützen".

Nachdem man am selben Abend noch eine Neuaufnahme tätigen konnte, trat die junge Schützengesellschaft mit zehn Mitgliedern ihren Weg an.
Sobald im Vereinslokal Maier die technischen Voraussetzungen geschaffen waren und die 4 mm-Munition für die Zimmerstutzen gekauft war -in den Büchern ist immer von "Kugeln und Kapseln" die Rede -, begann der Betrieb. Das erste nachweisbare Vereinsschießen ihrer Geschichte trugen die "Scharfschützen" am 08.11.1890 aus. Die Gesellschaft war mittlerweile bereits etwas gewachsen, und so schossen an diesem Tage vierzehn Mitglieder auf die "Fortl Scheibe".

Am selben Tage wurde beschlossen, den Zieler, trotzdem dieser bei der Gründungsversammlung seine Dienste unentgeltlich angeboten hatte, dennoch zu bezahlen. Er erhielt damals je Schießabend 20 Pfennig. Die Entlohnung des Zielers war seitdem eine feste Regel, die Höhe des Honorars als auch der Auszahlungsmodus wurden aber in der späteren Zeit immer wieder geändert.

Und dann fanden natürlich auch gesellschaftliche Veranstaltungen statt.
Als erstes war für den 31.12.1890 eine "Sylvesterkneipe" anberaumt, zu der die Mitglieder von ihrem "Einführungsrechte", nämlich "Freunde und Gönner" mitzubringen, Gebrauch machen konnten. Auch hatte man Polizeistundenverlängerung bis 3 Uhr früh beantragt. Die Mitglieder hatten mit Vereinsabzeichen zu erscheinen. In der Folgezeit schlossen sich weitere Aktivitäten an, etwa "Tanzkränzchen", Preisschießen mit Tanz u. ä. All diese Veranstaltungen scheinen recht erfolgreich gewesen zu sein, denn ständig ist von Polizeistundenverlängerungen die Rede. Im Hinblick auf § 1 der Gründungssatzung sind den Schützen "die langen Winterabende" offenbar plötzlich zu kurz geraten.

Doch scheint es auch Mißstimmigkeiten gegeben zu haben, denn am 22. Februar 1891 trat Schützenmeister Eckmann nach nur knapp fünfmonatiger Amtszeit zurück. Die Gründe hierfür sind unbekannt. Zu seinem Nachfolger wurde am 14. März das Gründungsmitglied Dobler gewählt, so daß die Vereinsvertretung über die schießfreie Frühlings- und Sommerzeit bis zur ersten Generalversammlung im Herbst gesichert war. Diese fand am 14. November 1891 statt. Unter anderem wurde der Vereinsbeitrag eingeführt, wonach vonjedem Mitglied monatlich 20 Pfennig zu zahlen waren. Die Wahl ergab den Postboten Josef Tretter als neuen Schützenmeister. Seine Unterschrift begleitet die Eintragungen im Protokollbuch bis zum 3. März 1894, d. h. also bis zum Ende der auf den Winter beschränkten Schießsaison 93/94. Dann klafft eine Lücke von vier Jahren.

Im Buch fehlt jegliche Erklärung dazu, was geschehen war. Offenbar waren nicht einmal die obligatorischen Jahreshauptversammlungen abgehalten worden. Das Protokoll setzt erst am 22. November 1898 wieder ein. Die Schützen, die sich an diesem Tage trafen, stellten zunächst einmal fest, wer überhaupt Mitglied war, ein Zeichen dafür, daß sich im Verein tatsächlich längere Zeit nichts mehr getan hatte. Jedenfalls war man entschlossen, wieder weiterzumachen. Man nahm sieben Personen auf und schritt zur Vorstandschaftswahl. Aus ihr ging Rechtsanwalt Strigl, eines der Neumitglieder, als Schützenmeister hervor. Von da an nahm das Vereinsleben wieder seinen geregelten Verlauf. Nur die beiden großen Kriege sollten noch vergleichbar große Lücken in der Kontinuität der Vereinsgeschichte verursachen.

Unter Lehrer Senft, Schützenmeister von 1899 bis 1904, überschritt die Gesellschaft wohlbehalten die Schwelle zum 20. Jahrhundert. Vereinsgewehre würden gekauft, die Mitgliederzahl wuchs.

1904 verließ der Verein die Gastwirtschaft Maier und zog "Zum Schwan", dem Lokal der Frau Monika Suckart, die dann übrigens die erste Schützendame in der Vereinsgeschichte wurde. Die Vorstandschaft wurde um einen "Zeugwart" erweitert, zu dessen Pflichten vor allem die Pflege der Zimmerstutzen gehörte.

Das gesellschaftliche Leben blühte. Bis 1914 reihen sich "Tanzkränzchen", Preisschießen, Maskenbälle und andere Veranstaltungen aneinander. Im Mitgliederverzeichnis tauchen markante Gestalten auf, die als jahrelange Vorstandschaftsangehörige für den Verein tätig waren, unter ihnen beispielsweise der Schuhmachermeister Michael Karl, der Kaufmann Max Mehler, der Uhrmachermeister Michael Fuhrmann sowie Ignaz Forstner, der Gründer der Oberviechtacher Heimatzeitung "Grenzwarte".

1913 wurde der Beschluß gefaßt, die Gesellschaft ins Vereinsregister eintragen zu lassen.
Dann begann der Erste Weltkrieg. Der letzte Protokolleintrag ist vom 17. August 1914. Die Gesellschaft beschloß an diesem Tage eine Spende von 100 Mark an das Rote Kreuz "zur Unterstützung verwundeter u. erkrankter Feldzugsoldaten". Aufgrund des Kriegs ruhte dann der Vereinsbetrieb viereinhalb Jahre. Auch der Verein hatte einen Gefallenen zu beklagen. Bei der eröffnenden Generalversammlung am 25. Januar 1919 gedachten die Anwesenden in einer Schweigeminute ihres im Felde gebliebenen Mitglieds Hans Sebald.

Insgesamt kann gesagt werden, daß sich der Erste Weltkrieg auf den Verein nicht so nachhaltig auswirkte wie dies der Zweite tun sollte. Im Kassenbuch stehen gleich wieder Ausgaben für Munition und Gewehrreparaturen, ein zuverlässiger Beweis für die ungebrochene Vereinsvitalität. Max Mehler, der vor dem Krieg bereits fünf Jahre lang Schriftführer gewesen war, wurde zum Schützenmeister gewählt. Nachdem der "Schwan" an Gresser übergegangen war und der neue Wirt für Heizung und Licht Bezahlung verlangte, beschloß der Verein am 30. Dezember 1919, ins Lokal des Restaurateurs und Vereinsmitglieds Hans Schwarz zu verlegen. Der Auszug verlief in gegenseitigem Einvernehmen, weil die Versammlung, obwohl sie die geforderten sechs Mark je Schießabend für die Kasse als nicht verkraftbar ansah, andererseits dennoch den Betrag ausdrücklich als angemessen anerkannte.

Die einsetzende allgemeine Inflation machte sich im Finanzwesen des Vereins immer stärker bemerkbar. In der Zeit von 1920 bis 1923 kletterte die Aufnahmegebühr von 1 auf 25 Mark, der Jahresbeitrag von 2,40 Mark auf 40 Mark. Angesichts des galoppierenden Geldwertverlusts ließ sich die Gesellschaft im Jahre 1923 auf keine Preisfestlegung mehr ein, so daß das Vereinsabzeichen, welches vorher zusammen mit der Aufnahmeurkunde und der Satzung 60 Pfennige gekostet hatte, nur mehr "zum Anschaffungspreis" überlassen wurde.

Im November 1923 bereitete die eingeführte "Goldmark" dem Spuk ein Ende und es galten wieder die schon genannten alten Beträge.

Für das Jahr 1926 wurde der bereits seit sieben Jahren amtierende Schützenmeister Max Mehler erneut gewählt. Seine Vereinsführung ist trotz der allgemeinen Finanzkrise zu Anfang der Zwanziger als ausgesprochen erfolgreich zu bezeichnen, Neumitglieder traten bei, es wurde regelmäßig geschossen, gesellschaftliche Veranstaltungen fanden statt. Umso unangenehmer fällt es dann auf, daß 1927 für ihn keine Nachfolge zustande kam.

Nachdem daraufhin der Verein ein Jahr lang ohne Vorstand gewesen war, eröffnete der bisherige Kassier Hans Weigl am 17. Dezember 1927 die Generalversammlung. Diese erwies sich als der Beginn einer neuen gedeihlichen Phase. Der frischgewählte Schützenmeister, der Sekretär Konrad Meyer, führte den Verein bis Ende 1933. Zu seinen Vorstandsmannschaften gehörten bewährte Männer wie Ignaz Forstner, Michael Fuhrmann, Max Mehler, der Malermeister Lorenz Lehner, der Bezirksmonteur Ludwig Roggenhofer und der Gerichtsassistent Kammerer. Als eine der herausragenden Leistungen wurde 1928 im "Ottengarten", einem am Marktweiher gelegenen Grundstück des Vereinswirts Hans Schwarz, ein Schützenhaus mit einer 50 m-Anlage für das KleinkalibergewehrschieBen erbaut.

Diese Unternehmung bedeutete für die Gesellschaft eine erhebliche finanzielle Belastung. Ein Teil der Kosten wurde durch den Verkauf von 5 Mark-Gutscheinen vorfinanziert.

Nach den Unterlagen hatte man 91 Gutscheine verkaufen können, so daß sehr schnell ein Betrag von 455 Mark verfügbar war. Beispielsweise war auch der damalige Oberviechtacher Pfarrer Edmund Rosenheimer mit sechs Gutscheinen an dem Kredit beteiligt. Das vorgestreckte Geld mußte bis 31.12.1930 an die "Gläubiger" zurückgezahlt werden. Der Verein tat dies, indem er schubweise -immer wenn etwas Geld vorhanden war –die numerierten Gutscheine zurückkaufte. Die Reihenfolge wurde ausgelost.

Viele Bürger verzichteten großzügigerweise auf die Rückerstattung.

Die weitere Finanzierung geschah durch sonstige Spenden, durch behördliche Zuschüsse und durch Eigenleistung. Die Abtragung der Schulden zog sich noch Jahre hin.ln einem Schreiben an das Staatsministerium für Unterricht und Kultus vom 11.4.1933 heißt es, daß die Anlage "auf annähernd 3000 RM" zu stehen gekommen sei. Jedenfalls war der Verein Ende 1934 schuldenfrei, nachdem das Innenministerium ein 300 Mark-Darlehen in einen Zuschuß umgewandelt hatte.

Mit dem Bau der 50 m-Bahn beschloß man in jener außerordentlichen Generalversammlung am 30. Mai 1928 zugleich die Aufstellung einer "Kleinkaliber-Schützengruppe".
Damit dehnte sich der Schießbetrieb auf das ganze Jahr aus. War vorher nur während der Monate Oktober bis März/April im Vereinslokal mit dem Zimmerstutzen geschossen worden, so übte man sich jetzt zusätzlich während der warmen Jahreszeit im Schießen mit dem Kleinkalibergewehr. 1934 kam das Pistolenschießen hinzu. Seit der Gründung war überhaupt eine auffällige Veränderung eingetreten. Wir erinnern uns: Die "Scharfschützen" waren zunächst ein Verein von lokaler Bedeutung, der das Schießen der Geselligkeit halber pflegte. Inzwischen hatte die Wettkampforientierung an Gewicht zugenommen. Der Geschlossenheit in sich war eine deutliche Öffnung nach außen gefolgt. Noch im selben Sommer, am 5. August, richteten die "Scharfschützen" auf ihrer neuen und in der ganzen Umgebung einmaligen Anlage ein Bezirksschießen aus, zu welchem sich viele auswärtige Schützen einfanden. Die Veranstaltung sommerlicher Bezirksschießen mit KK-Gewehr hielt sich bis zum Zweiten Weltkrieg.

1929 stiftete Schützenmeister Meyer eine Königskette und eröffnete somit im Verein den Brauch des Königsschießens. Seitdem ermitteln die "Scharfschützen" alljährlich ihren Schützenkönig. Als erster errang Max Pösl diese Würde. Er war noch ohne Begleitung, denn die Tradition der Lieseln sollte erst 1970, die der Jugendkönige 1979 einsetzen.

1930 wurde der ständig gewachsene Wunsch, sich überörtlich zu organisieren, in die Tat umgesetzt. Im Gasthof Schwarz, dem Vereinslokal der "Scharfschützen", fand am 23. März die Gründung des Schützengaues 113 statt, und zwar als Bestandteil des Oberpfälzischen Schützenverbandes, der seinerseits dem Bayerischen Schützenverband angehörte.

Die Initiative zu diesem Zusammenschluß war von den "Scharfschützen" ausgegangen, und ihr Schützenmeister Konrad Meyer wurde auch zum ersten Gauschützenmeister im Grenzland gewählt.
Auch gesellschaftlich klappte es damals beim Verein hervorragend: Schützenbälle, Vereinsausflüge und Theateraufführungen wurden veranstaltet.

Es gab aber auch Probleme, denn im Ottengarten richteten spielende Kinder bzw. übermütige Jugendliche an dem während des Winters unbenutzten Schützenhaus immer wieder Schäden an. Auch Einbrüche kamen vor.

Die Vorstandschaft sah sich daher veranlaßt. die Anlage durch Selbstschüsse mit sogenannten "Legbüchsen" zu sichern, eine Methode, für die heute wahrscheinlich kein Verständnis mehr aufgebracht würde, die seinerzeit aber durchaus üblich war. Die Reparaturen hatten die Vereinskasse ständig belastet, zumal der Bau ja bis 1934 noch unter Schulden stand.

Ab 1933 brachte die nationalsozialistische Zentralisierung des deutschen Sportwesens die Einführung des Führerprinzips mit sich. Der Schützenmeister hieß von nun an "Vereinsführer". Das neue Prinzip lief darauf hinaus, dem Vereinsführer eine so gut wie uneingeschränkte Machtposition zu verleihen. Da er beispielsweise bei den Wahlen die Wahlvorschläge machte und befugt war, andere, ihm nicht genehme Vorschläge, abzulehnen, konnte er letztlich -wenn er wollte -die Zusammensetzung seiner ganzen Vorstandschaft bestimmen. Das Wohl und Wehe, insbesondere die Eigenständigkeit des Vereins, hing also in dieser schwierigen Zeit vornehmlich von der Persönlichkeit und vom diplomatischen Geschick des jeweiligen Vereinsführers ab. Als der langjährige und verdiente Schützenmeister Meyer am 16.12.33 wegen beruflicher Versetzung sein Amt niederlegte, schlug er Dr. Günther Tröge, Mitglied seit 1928, für die Wahl zum Vereinsführer vor.

Dieser wurde mit großer Mehrheit gewählt und schlug seinerseits so weit wie möglich die bisherigen bewährten Vorstandsmitglieder vor, so daß die personelle Zusammensetzung des nun sogenannten "Führerstabes" größtenteils erhalten blieb.

Weiterhin erfolgte die Eingliederung in den Reichsbund für Leibesübungen.

Der Verein, der jetzt zum Gau XVI Bayern Bezirk 2 gehörte, erhielt eine vom Reichssportführer ausgearbeitete Einheitssatzung, und im Ottengarten schossen auch Angehörige der Sturmabteilungen "SA", der Hitlerjugend "HJ", des Freiwilligen Arbeitsdienstes "FAD" und des "Kyffhäuserbundes", eines Verbandes ehemaliger Frontsoldaten. Statt bisher mehrerer Sportzeitungen durfte nur mehr die "Deutsche Schützenzeitung" als offizielles Organ abonniert werden. Die obrigkeitliche Aufsicht war streng, und Verstöße gegen die staatlichen Vorgaben waren mit Konsequenzen bedroht, deren gefährlichste die Vereinsauflösung war.

Neben diesen Umwälzungen lief es für die Gesellschaft ab 1933 auch sonst nicht besonders günstig. Es begann damit, daß die Schützen nach der Veranstaltung einer "Ziehharmonikamusik" wegen angeblicher Verletzung von Urheberrechten angezeigt wurden. Der Prozeß mit der staatlichen Gesellschaft zur Verwertung musikalischer Urheberrechte am Landgericht Weiden zog sich in die Länge und bereitete viel Ärger. Mochte die Sache schließlich auch in einem Vergleich enden, so hatte sich der neue Vereinsführer doch über ein Jahr mit ihr herumschlagen müssen.

Auf Dr. Tröge, der die Gesellschaft drei Jahre verantwortungsvoll geführt hatte und der auch später ständig eine maßgebende Rolle spielen sollte, folgten Vereinsführer mit nur kurzen Amtszeiten. Bei der Jahreshauptversammlung am 18.12.37 unter der Leitung des gerade amtierenden Vereinsführers Georg Bindl gedachte man des verstorbenen Herbergsvaters Hans Schwarz, in dessen Gastwirtschaft der Verein seit 18 Jahren seinen Sitz hatte.

Die Beteiligung an den Schießen schwankte. Es wurde kritisiert, daß zu den Wettbewerben stets dieselben Schützen erscheinen würden. 1936 fiel das sommerliche Haupt- und Königsschießen wegen anhaltend schlechten Wetters aus, 1938 geschah dasselbe wegen mangelnder Beteiligung. In letzterem Fall dürfte sich auch eine menschliche Tragik ausgewirkt haben.

Aus Gründen, welche mit der Schützengesellschaft nichts zu tun hatten, hatte sich der damalige Vereinsführer Hans Metschnabl am 28.4.38 erschossen. Die Vereinstätigkeit setzte aus. Am 10.9.38 schließlich rief der stellvertretende Vereinsführer Bindl eine außerordentliche Generalversammlung ein. Nachdem man die vorschriftsmäßige Mitgliedermeldung versäumt hatte, war die gefürchtete Vereinsauflösung angedroht worden.

Einziger und dringlicher Tagesordnungspunkt war daher die Wahl eines Vereinsführers, um eine vollständige und verantwortliche Vorstandschaft präsentieren zu können. Der daraufhin einstimmig gewählte Dr. Tröge nahm unter der Bedingung an, das Amt an den bewährten ehemaligen Schützenmeister Meyer übergeben zu können, sobald dieser -wie angekündigt - nach seiner Pensionierung den Wohnsitz wieder nach Oberviechtach zurückverlegt habe. Offiziell wurde dann Meyer am 14.1.39 gewählt. Bis zu seinem Umzug im April führte Dr. Tröge für ihn die Geschäfte. Ein Schützenball fand statt, der letzte auf über ein Jahrzehnt. Laut Schießbuch wurde am 18. März noch ein Zimmerstutzenschießen abgehalten. Dann brach der Krieg aus.

Die Vereinsverwaltung wurde vorläufig aber noch aufrecht erhalten. Die letzte formelle Kassenabrechnung erfolgte am 2.3.40 durch den damaligen Kassier Klement Weigl. Er schloß ab mit RM 51,05 plus. Das Kassenbuch wurde dann von der Hand eines anderen Mitglieds -Unterschrift fehlt -weitergeführt. Es handelt sich nur noch um wenige Eintragungen, nämlich hauptsächlich um die Ausgaben für laufende Gebühren, z.B. Luftschutz, Strom u. ä. Da aufgrund des Krieges alles Vereinsleben erloschen war und die Gesellschaft somit keinerlei Einkünfte aus Startgeld oder Vereinsbeiträgen mehr hatte, waren die RM 51,05 allmählich aufgezehrt, so daß schließlich am 9.10.41 der Betrag für die Feuerversicherung in Höhe von RM 14,90 nur noch mit Hilfe eines Darlehens des Mitglieds Ignaz Forstner abgedeckt werden konnte. Hiermit endete auch die Vereinsverwaltung.

Wir müssen jetzt einen beträchtlichen Zeitsprung tun. Dies liegt daran, daß der Zweite Weltkrieg ein wesentlich größeres Loch in den Zusammenhang der Vereinsgeschichte riß als der Erste. Denn auch als der Krieg 1945 zu Ende war, konnte man nicht einfach wieder weitermachen. Existentielle Sorgen ließen wenig Raum für Vereinsbetätigung. Darüber hinaus waren schießende Vereinigungen jedweder Art von der amerikanischen Besatzungsmacht verboten.

Was war aus dem Schützenhaus im Ottengarten geworden ? -Ältere Oberviechtacher Bürger erinnern sich, daß sie als Jugendliche während der Kriegs- bzw. Nachkriegszeit die jahrelang brachliegende Schießanlage sozusagen als Abenteuerspielplatz benutzten, so daß diese schließlich wegen ihres schadhaften Zustandes abgebrochen wurde.

Der Vorsatz der Schützen, sich wieder aufzutun, blieb aber bestehen. Vorkriegsmitglieder behielten Fühlung zueinander, Neulinge stießen hinzu. Am 12. August 1950 war es dann so weit: Der schon aus der Vorkriegszeit bekannte Dr. Tröge eröffnete die Wiedergründungsversammlung, auf der man eine "vorläufige Vorstandschaft" mit Jakob Kappl als Schützenmeister wählte. Daß regelrecht ein neuer Anfang gemacht wurde, ist allein schon daraus ersichtlich, daß sich neben den neuen Interessenten ebenfalls die früheren Mitglieder nochmals aufnehmen ließen. Später wurde auch der erneute Eintrag ins Vereinsregister beschlossen. Als Vereinslokal wurde die Gartenwirtschaft von Hans Gresser bestimmt. Dr. Tröge stellte sein eigenes Luftgewehr als vorläufige Trainingswaffe zur Verfügung. Eine ordentliche Generalversammlung legte man auf den 20. Dezember fest. An diesem Tag erklärte die vorläufige Vorstandschaft ihren Rücktritt und wurde entlastet.

Aus der anschließenden Wahl ging Franz Forstner als Schützenmeister hervor. Sein Vater Ignaz Forstner war als Beisitzer ebenfalls in der Vorstandschaft vertreten. Der schießsportliche und gesellschaftliche Betrieb wurde verstärkt. Zum Zwecke der überörtlichen Organisation des Schießsports wurde in Oberviechtach eine Gauvorstandschaft gewählt, der die "Scharfschützen" Georg Neuber als Gauschützenmeister, Fritz Schießl als Gaukassier und Max Pösl junior als Gauschriftführer angehörten. Man knüpfte hiermit an jene 1930 initiierte Gautradition an. Der Gau trat dem Oberpfälzer Schützenbund bei, an dessen Aufbau ebenfalls die Oberviechtacher Neuber, Schießl und Franz Forstner maßgeblich mitgewirkt hatten.

Anläßlich der Wiedergründung und dem damit zusammenfallenden 60. Vereinsjubiläum veranstalteten die "Scharfschützen" im Sommer 51 ein großes Stiftungsfest. Schirmherr war Bürgermeister und Vereinsmitglied Michael Fuhrmann, die Schützen aus Leonberg standen Pate. Damals, am 19. August, wurde die Vereinsfahne geweiht, welche den Verein mittlerweile bei unzähligen Festlichkeiten begleitet hat.

Im gleichen Jahre übernahm die Gesellschaft ihrerseits die Patenschaft beim Gaisthaler Schützenverein "Frauenstein". Die Anknüpfung an die alte Vereinstradition war somit geglückt. Franz Forstner sowie seine Nachfolger Erhard Heumann und Richard Hillmer sorgten mit ihren Vorstandschaften in den Fünfzigern für einen geordneten Vereinsbetrieb. Zimmerstutzen und Schießzubehör wurden angeschafft. Weitere Patenschaften wurden übernommen für die Schützen in Eslarn, Pertolzhofen und Plechhammer.

Doch auch von Totengedenken ist oft die Rede, unter anderem für Dr. Tröge, Max Mehler, Konrad Meyer und Ignaz Forstner, deren Namen in die Vereinsgeschichte der "Scharfschützen" eingegangen sind.

Seit 1955 schoß die Gesellschaft im Gasthof Schwarz, ihrem Vereinslokal bis zum Umzug ins neue Schützenheim im Jahre 1970. Dort bildete sich ein illustrer Schützenstammtisch. Zwei Schießstände für Luftgewehr oder Zimmerstutzen wurden eingerichtet. Neue Schützen kamen zum Verein. Hier sind z.B. Karl Roßmann und Josef Bareither zu nennen, welche durch die Teilnahme an auswärtigen Schießen den Kontakt zu anderen Vereinen pflegten oder später ihr persönliches Schießkönnen an Jungschützen weitergaben.

Der Wunsch nach einer eigenen Vereinsstätte war bei den "Scharfschützen" stets wach geblieben. Und so begannen sie in den Sechzigern wieder Baupläne zu schmieden. Um den seit 1961 amtierenden Schützenmeister Dr. Josef Hasenbach hatte sich eine leistungsfähige Vorstandschaft gebildet, die sich an ein derartiges Projekt wagen konnte. Der endgültige Beschluß wurde bei der Jahreshauptversammlung am 19. März 66 gefaßt, im Juni ging es los. Der Bau des neuen Schützenheimes im Stadtteil "Sandradl" beanspruchte die nächsten Jahre. Stellvertretend für die große Zahl der an den Arbeiten beteiligten Personen können hier nur die verantwortlichen Vorstands- und Ausschußmitglieder aufgeführt werden: Dr. med. Josef Hasenbach, Franz Forstner, Friedrich Dorn, Rupert Ranzinger, Josef Bareither, Dr. jur. Hans Forstner, Erhard Heumann, Lorenz Lehner, Bürgermeister Georg Neuber sowie der unermüdliche Theo Rechenmacher, ein Mann von kleiner Körpergestalt, aber großem Idealismus. Letzterer, bereits Mitglied des Schützenvereins "Turmfalke" in Harting bei Regensburg, war nach Oberviechtach gezogen und hier zu den "Scharfschützen" gestoßen.

Die Bauaufsicht führte der Architekt Hans Rieger, der auch den Plan angefertigt hatte. Die Bauleitung lag in den Händen von Hauptfeldwebel Otto Lehner und Bauingenieur Fröhler.
An dieser Stelle wird bei vielen Schützen eine bittere Erinnerung wach, denn Hans Fröhler verstarb plötzlich am 31. Januar 69. Der Tod versagte ihm, den Abschluß des Projekts miterleben zu dürfen, für welches er so viel geleistet hatte.

Ganz entscheidenden Anteil an den Erdarbeiten hatte die Bundeswehr, die auf Betreiben vor allem der Oberstleutnants Paul Menhofer und Hans-Joachim Czizek sehr effektiv ausgerüstete Soldatentrupps mit teils schwerem Pioniergerät abstellte.

Elektrikermeister Arnold Pickl senior verlegte unentgeltlich die Stromleitungen, Graf Du Moulin Eckart spendete aus seinem Forst "Frauenstein" sämtliches Bauholz.

Das ganze Unternehmen wurde von Landrat Josef Spichtinger als auch vom bayerischen Ministerpräsidenten Dr. h. c. Alfons Goppel forciert.
Die "Scharfschützen" benannten ihr Haus nach ihrem Vereinsmitglied und großen Förderer der Schützensache, dem Grafen Du Moulin Eckart, zugleich Protektor und Ehrenpräsident des Oberpfälzer Schützenbundes.

Franz Forstner hat übrigens über den Fortgang der Arbeiten einen Farbfilm gedreht, so daß die einzelnen Bauphasen recht anschaulich dokumentiert sind.

Nichtsdestoweniger fanden aber währenddessen "beim Schwarz" auch noch Schießen statt. Zum Königsschießen 1970 wurde erstmalig die von Theo Rechenmacher gestiftete Liesl-Kette ausgeschossen. Erste Liesl der Vereinsgeschichte wurde Anni Kraus. Der Schützenkönig hatte somit von da an für seine Repräsentationsaufgaben eine Begleiterin.

Im Sommer 70 zogen die Schützen vom Gasthof Schwarz, wo sie bei ihrer Vereinswirtin Frau Dammer, bekannt als die "Otten-Minna", fünfzehn Jahre lang geschossen und -wie könnte es anders sein -auch zünftig gezecht hatten, ins neuerbaute Schützenheim um.

Vom 1. bis 16. August fand das Eröffnungsschießen statt, an dem sich viele Schützen und Gäste aus Nah und Fern beteiligten. Das Schießbuch weist 324 Eintragungen auf.

Die Erstellung des Schützenheims wirkte sich - ähnlich wie jene "Ottengarten"-Schießanlage von 1928 - auf den Verein ganz nachhaltig aus und prägt sein heutiges Bild. Hatte man im früheren Vereinslokal lediglich über zwei bescheidene Stände für Luftgewehr bzw. Zimmerstutzen verfügen können, so tat sich jetzt eine Palette von Disziplinen auf.

Die neue Anlage bot nun fünf 10 m-Stände für Luftgewehr, Zimmerstutzen und Luftpistole, fünf 25 m-Stände für Pistole und Revolver bis Kaliber 9 mm bzw. .38 sowie sechs automatische 50 m-Stände für Kleinkalibergewehr und Freie Pistole. Dementsprechend entstand zusätzlich zur Luftgewehrsparte unter der Leitung von Rudolf Bronold eine Pistolengruppe. Peter Webersik baute eine Kleinkalibergruppe auf. Das wettkampfmäßige Schießen, welches in den sechziger Jahren streckenweise etwas vernachläßigt worden war, erfuhr dadurch wieder einen kräftigen Aufschwung, die Kleinkalibergewehr- und Pistolentraditionen der Vorkriegszeit wurden erneut aufgegriffen. Vereins-, Gau- und bei Qualifikation auch Landesmeisterschaft sowie Rundenwettkämpfe gehören seitdem zum festen Jahresprogramm.

Immer wieder qualifizierten sich "Scharfschützen" für die Landesmeisterschaften des OSB. Dabei wurden auch erste Plätze errungen:

1974 Kleinkalibergewehr, liegend, Schützenklasse: Karl Günther
1977 Sportpistole Kaliber .32/.38, Schützenklasse: Michael Dirscherl
1980 Sportpistole Kaliber .22, Schützenaltersklasse: Franz Jakob

Dazu kamen noch Erfolge in Disziplinen, die an fremden Ständen trainiert
wurden:
1984 Bogenschießen im Freien, Schülerklasse: Armin Fütterer
Bogenschießen in der Halle, Schülerklasse: Armin Fütterer
Flintenschießen Trap, Schützenaltersklasse: Michael Eckl
1985 Flintenschießen Trap
Juniorenklasse: Georg Irlbacher jun.
Schützenklasse: Josef Kick
Schützenaltersklasse: Michael Eckl

Zurück in die Siebziger: Unannehmlichkeiten entstanden durch zwei Einbrüche in den Nächten 20./21. Oktober 70 und 24./25. Mai 71. Im ersteren Fall stahlen die Täter Kleinkalibergewehre und eine große Menge Patronen.

Auf Dr. Hasenbach folgte 1971 als Schützenmeister wieder Franz Forstner.

Wegen beruflicher Unabkömmlichkeit und auch langwieriger Erkrankung übergab er aber die Leitung an seinen Stellvertreter Otto Lehner, der den Verein bis 1976 führte. 1973 übernahm die Gesellschaft die Patenschaft bei der Fahnenweihe der "Grenzlandschützen" Pullenried.

Zur Jahreswende 1977/78 schied der damalige Schützenmeister mit einem Großteil der Bogenschützen aus der Gesellschaft aus und gründete einen eigenen Verein. Neuer Schützenmeister wurde Albert Troppmann, der bis heute im Amt ist.

1979 wurde das Jugendkönigsschießen eingeführt. Den ersten Durchgang gewann ein Mädchen: Carola Schießl durfte die von Ehrenmitglied Theo Rechenmacher gestiftete Kette ein Jahr lang tragen.

1982 waren die "Scharfschützen" als Patenverein bei den "Böhmerwaldschützen" Lind-Schneeberg, 1984 beim Schützenverein "1884" Eslarn.

Neben den offiziellen Übungsschießen und Wettkämpfen war die Gesellschaft in den 80er Jahren besonders bemüht, den Schießsport nach außen zu tragen. Zu diesem Zweck wurden Stadtmeisterschaften ausgeschrieben, an denen sich viele Vereine aus dem Oberviechtacher Bereich beteiligten.

Weiterhin ging es auch darum, die älteren Vereinsmitglieder ins Schießen mit einzubeziehen. Schützenmeister Troppmann führte hierzu das Kleinkaliber-"Seniorenschießen" für Schützinnen und Schützen ab dem 50. Lebensjahr ein. Dieses Schießen wurde gut angenommen und ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil des Jahresprogramms geworden.

Die Schützengesellschaft, die einst am 11. Oktober 1890 mit 10 Mitgliedern ihren Anfang gemacht hatte, überschritt 1966/67 die Hunderter- und 1971/72 die Zweihundertemarke und zählt heute rund 250 Mitglieder.